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Lebensfrage?


Im Fernsehen wird öfter über Prozesse berichtet und über die Urteile in schweren Verbrechen. Öfter werden dann die trauernden Hinterbliebenen interviewt und befragt, ob sie das Urteil gerecht finden und erleichtert sind.
Ich finde das pervers, besonders im Sinne der Gerechtigkeit.
Wer wird da vorgeführt?
Und was?






Ihre Reaktion finde ich voll verständlich. Sie spüren, dass da etwas nicht stimmt. Es wird nicht nur berichtet. Menschen in ihrer Trauer werden benutzt. Und das inszeniert unter dem Deckmäntelchen der Gerechtigkeit. Ich finde, dass ihre Würde verletzt wird. Wieso?
Persönliche Trauer oder Wut werden zur Story.
Privater Schmerz wird öffentlich gemacht. Und die Hinterbliebenen werden animiert, dabei mitzuwirken. Für sie sicher eine schwierige Entscheidung in dieser Situation.
Oder? Genießen sie es gar – und werden so vorgeführt?
Gefühle werden instrumentalisiert.
Und wer hat was davon?
Die Gerechtigkeit? Eher nicht, wenn sie subjektiviert wird, gar wenn eine Art Urteilsschelte statthat. Mit der Frage „Finden Sie das Urteil gerecht?“
Die Hinterbliebenen selbst? Vielleicht für manche, die zuschauen und teilnehmen. Die Frage aber immer: „An was?“. Lohnt die Vorführung emotionaler Zeugen, oft in einem Moment größter Verletzlichkeit?
Dem Rechtssystem werden Emotionen nicht dienen.
Die Bewertung der Justiz? Ist immer gefordert von uns. Aber sachlich und kompetent. Juristische Urteile beruhen auf Beweisen und Gesetzen – nicht auf Emotionen.
Die Sender?
Gewiss, sie sind Partei in der möglichen Abwägung „menschliche Würde vs. Quote“.
Und wir? Wir werden mitfühlen und urteilen. Vielleicht etwas schnell.
Aber irgendwie können wir wenigstens Gerechtigkeit fühlen. ‒ Oder eben nicht.