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Lebensfrage?


Ich arbeite als Übersetzerin in einer Agentur. Als Frau bin ich natürlich absolut für Gleichbehandlung. Ich bin aber auch den Texten verpflichtet.
Wenn ich etwa übersetze und im Ausgangstext ist nicht gegendert, ja darf ich dann gendern in der deutschen Übersetzung. Es geht gegen meine Überzeugung.
Und tatsächlich greift die Redaktion öfter ein. Noch heftiger wird es mit den *erin-Ableitungen, die es im Englischen gar nicht gibt. Sie kommen also nicht vor.

Haben Sie eine Idee, wie ich mich wehren könnte.



Tut mir ausgesprochen leid. Aber dieses Terrain beträte ich äußerst ungern. Es ist mir ideologisch zu verseucht.
Darum erst mal etwas zum Übersetzen. Dabei geht es immer um ein Übersetzen von einer Sprache in die andere, von einer Kultur in die andere. Und was es in der einen nicht gibt – und das ist nicht selten –, ersetzt man es einfach im Sinne des Slogans „Traduttore traditore!“?
Gut, darüber wissen Sie gewiss professionell mehr. Und Sie hätten gewiss Argumente, falls das hier was nützt.

Wenn auch kein Rat zu Ihrem Problem, doch noch ein allgemeines Stützwort.
Treffend hat es neulich eine Genderspezialistin als Titelzeile in der Süddeutschen formuliert: „Wir schütteln nur den Kopf darüber.“ Ja, und da kann man gespannt sein, was rauskommt.
Als Begründung für die Forderung „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“ Da wird es dann moralisch. Und ich dürfte mir nicht nur einbilden, wer wie behandelt werden möchte. Aber es ist natürlich eher eine Goldige Regel. Sie würde moralischen Zwang gutheißen.

Wahre Moralphilosophen halten es aus gutem Grund mit der defensiven wahren „Goldenen Regel“, die völlig ausreicht für ein wahrhaft moralisches Zusammenleben der Menschen.
„Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.“
Bitte beachten: Nicht „das“ und nicht „was“, sondern „dass“. Wenngleich bei Wilhelm Busch in damaliger Rechtschreibung so nicht unterschieden. Aber vom Sinn her schon!
Das moralische Prinzip ist gottseidank viel älter, eigentlich schon Konfuzius und in der englischen Übersetzung aus dem 17. Jahrhundert:
„What you do not wish for yourself, do not do to others.“