Im Archiv -- keine Kellerware
Lebensfrage?
Unser neuer Nachbar ist ein echter Kotzbrocken. Trotzdem ist er hilfsbereit und für uns sehr nützlich. Wenn wir weg sind, versorgt er unsere Post, und wenn wir Werkzeug brauchen, bei ihm ist alles da, was immer du brauchst.
Ist es ok, wenn wir diese Nachbarschaft pflegen?
Um es mal so zu sagen.
Nicht unbedingt! Was soll denn pflegen hier heißen? Sie nutzen Ihren Nachbarn doch aus, obwohl Sie ihn gar nicht mögen.
Und doch ist es irgendwie auch eine klassische Situation und eben menschlich.
Vor allem, was wissen Sie denn noch so über Ihren Nachbarn? Offenbar nicht so viel. Aber keiner ist einer. Und vor allem:
Wir sind alle geworden.
Zwischenmenschliche Beziehungen sind nicht nur tiefe Freundschaften oder von Sympathie getragen. Evolutionär spielte immer schon der praktische Nutzen mit. Das ist nicht gleich Heuchelei oder Schnorrertum, sondern eine begründete Form des Zusammenlebens. Es geht um basalen gegenseitigen Respekt und Menschenwürde.
Und bedenken Sie: Der „Kotzbrocken“ muss ja nicht gleich ihr bester Freund werden. Aber als verlässlicher, hilfsbereiter Nachbar ist er unglaublich wertvoll. Sie können ihn für das schätzen, was er tut, ohne ihn für das mögen zu müssen, was er – nach Ihrer Meinung – ist. Sie müssen nicht in Liebe entbrennen. Aber ein kurzer Plausch am Gartenzaun wär vielleicht drin?
Ostereier verstecken würde wohl nicht so passen.
Und dann:
Machen Sie daraus eine klassische Win-Win-Situation.
Bilden Sie sich ein, dass er es schätzt, als Kotzbrocken gebraucht zu werden.
Abschließend: Dass Sie sich die Frage stellen, ist also durchaus begründet.
„Ja, es ist – nach reiflicher Überlegung – ziemlich in Ordnung, diese Nachbarschaft zu pflegen. Sie könnten ja auch mal was für ihn tun.“